Soldaten in einer gemalten Flugzeugattrappe

Soldaten in Requisiten

Scherzbilder als Geschäftsmodell

Zwischen etwa 1910 und den 1930er-Jahren ließen sich Soldaten des Deutschen Reiches auf Truppenübungsplätzen mit künstlichen Requisiten fotografieren. Flugzeuge, Luftschiffe, Panzer, Pferde, Wagen, Tiere, Granaten, Raketen oder absurde Alltagsszenen wurden aus bemaltem Holz, Pappe und Kulissenmalerei gebaut.

Das Hauptmotiv dieser Bildwelt ist der Flug: Doppeldecker, Luftschiffe, Ballonkörbe und später Raketen machten aus Soldaten für einen Moment Piloten, Luftfahrer oder Zukunftshelden. Daneben gab es aber auch eine zweite, komischere Linie: Autoattrappen, Eselswagen, Storchwagen, Schweine, Mondkulissen oder Szenen wie das Kartoffelschälen.

Soldaten in einer gemalten Flugzeugattrappe in Döberitz
Max Piepenhagen, Berlin und Döberitz. Soldaten posieren in einer gemalten Flugzeugattrappe Döberitz.

Ein zeitgenössischer Atelierstempel von Schubert, Munsterlager, nennt solche Bilder „Jokusaufnahmen“. Das Wort ist heute kaum noch gebräuchlich; gemeint sind Scherz-, Spaß- oder Ulkaufnahmen, also bewusst komische Fotografien mit Requisiten und gespielten Rollen.

Soldaten in einer gemalten Eselswagenattrappe
Sennelager, 1913. Soldaten posieren in einer gemalten Eselswagenattrappe.
Soldaten in einer gemalten Storchenwagenattrappe
Schubert, Munsterlager. Soldaten posieren in einer gemalten "Storchen"wagenattrappe.

Diese Bilder gehören zur Welt der Fotopostkarte: schnell hergestellt, leicht zu verschicken, erschwinglich und als Erinnerung sofort verständlich. Sie waren Souvenir, Kameradschaftsbild und Familiengruß: ein kleiner Auftritt in Uniform, aber abseits des Kasernendrills.

Soldaten in einer gemalten Luftschiff-, Flugzeug- und
          Raketenattrappe
Schubert, Berlin und Munsterlager. Soldaten posieren in einer gemalten Flugzeugattrappe 1914.

Ein Geschäftsmodell

Hier war nicht nur privater Spaß am Werk. Die Aufnahmen waren auch ein lukratives Geschäft. Sie entstanden dort, wo viele Soldaten für kurze oder längere Zeit zusammenkamen: in Bitsch, Döberitz, Dörnitz und Altengrabow, Jüterbog, Elsenborn, Heuberg, Munsterlager, Lockstedter Lager, Münsingen oder Sennelager.

In der Nähe der Kasernen und Truppenübungsplätze ließen sich Fotografen nieder. Hohe soldatische Frequenz bedeutete Kundschaft. Rekruten, Übungstruppen, Ersatzformationen und Durchreisende wollten ein Bild: für sich selbst, für die Familie, für Freunde oder als Erinnerung an die gemeinsame Dienstzeit. Besonders beliebt waren Gruppenaufnahmen mit Kameraden. Je mehr Männer auf einem Bild waren, desto größer war der Verkaufswert.

Diese Aufnahmen sind ein Beispiel populärer militärischer Erinnerungskultur. Sie gehören zu einer Welt, in der Uniform, Technikbegeisterung, Kameradschaft und soldatische Rollenbilder selbstverständlich zusammengehörten. Heute wirken sie widersprüchlich: Die Männer lachen, posieren und spielen mit dem Bild, ohne zu wissen, wie nah die Schrecken der kommenden Kriege bereits waren.

Es sind keine offiziellen Propagandabilder. Aber sie zeigen, wie militärische Motive in ein kommerzielles Bildvergnügen übersetzt wurden. Krieg oder Kriegsvorbereitung erscheinen hier nicht als Schrecken, sondern als Vergnügen, und gerade der humorvolle Ton macht die Bilder historisch interessant.

Die Bilder geben einen persönlichen Einblick in die Mentalität von Soldaten in dieser Zeit. Manche Männer lachen offen, andere spielen den Ernst der Szene so übertrieben, dass gerade daraus Komik entsteht. Die Kulissen tragen oft ironische Schriftzüge; sie versprechen Flucht, Fahrt, Abenteuer oder technische Zukunft, während der reale Ort ein Lager bleibt.

Soldaten in einer gemalten Schweinsattrappe
Schubert, Berlin und Munsterlager. Soldaten posieren in einer gemalten Schweinsattrappe 1913.
Soldaten in einer Ballonkorbattrappe
Max Schütze, Dörnitz. Soldaten posieren in einer gemalten Ballonkorbattrappe.

Ein Netz von Lagerfotografen

Diese Art von Soldatenbildern war kein einzelnes lokales Phänomen, sondern ein verbreitetes Geschäftsmodell. Sie war an vielen Truppenübungsplätzen gleichzeitig populär und wurde von Fotografen, Atelierfilialen und Verlagen gezielt genutzt. Auffällig ist, wie stark sich die Motive ähneln und an weit auseinanderliegenden Orten in ähnlicher Form auftauchen.