
Ein Foto und seine Geschichte
Schnell Photo
im Kaufhof
Ein kleines Porträt in einer Hülle und eine ungewöhnliche Kamera.
Die Geschichte lesen ↓Eine Frau blickt in die Kamera. Es ist ein typisches Passfoto: schnell, preiswert und unkompliziert hergestellt, für Personaldokumente aller Art.
Wer sie war, wissen wir nicht. Das Foto erzählt trotzdem etwas über den Moment, in dem es entstand. Das Porträt war Teil eines Angebots, bei dem man im Warenhaus fotografiert wurde und das Bild kurz darauf mitnehmen konnte. Es steckt in einer Pergaminhülle mit dem Aufdruck „Ukaphot Schnell Photo im Kaufhof“ und dem Versprechen „In wenigen Minuten fix und fertig“. Auf der Rückseite des Abzugs finden wir die Aufdrucke „Ukaphot“ und „Gevaert“.



Schnellporträt einer unbekannten Frau in einer Pergaminhülle und die Rückseite des Abzugs.
Die Fotografie gehörte schon lange vor den 1950er-Jahren zum Angebot der Kaufhäuser: In Berlin entstanden seit 1898 eigene Fotoateliers. Günstige Porträts sollten Kundschaft ins Haus bringen; mussten die fertigen Bilder später abgeholt werden, führte das zu einem weiteren Besuch. In den 1910er- und 1920er-Jahren kamen standardisierte Schnellfotos hinzu, deren kleine Abzüge auch als Pass- oder Ausweisbilder verwendet werden konnten.
In vielen Kaufhäusern lagen die Fotostellen nahe am Eingang und erreichten so auch Menschen, die nur ein Bild benötigten. Für das Kaufhaus war das attraktiv: Wer für die Aufnahme hereinkam oder kurz auf die fertigen Bilder wartete, konnte sich dabei umsehen und vielleicht noch etwas kaufen.
Vor dem Vorhang oder der weißen Wand
Die Porträts zeigen eine einfache, aber wechselnde Kulisse. Bei manchen Bildern füllt ein gefalteter Vorhang den ganzen Hintergrund. Bei anderen ist er nur teilweise zugezogen; wieder andere Aufnahmen entstanden vor einem neutralen Hintergrund.
Die Posen folgen einem Muster: Die Personen schauen geradeaus in die Kamera oder an ihr vorbei. Kopf und Schultern sind gerade ausgerichtet oder leicht zur Seite gedreht. Die Gesichter sind deutlich erkennbar, der Ausschnitt zeigt Kopf und Oberkörper – so, wie man es für amtliche Personaldokumente brauchte.
Die Aufnahmen wirken flüchtig: ein kurzer Blick in die Kamera, eine einfache Pose, dann war das Bild gemacht. Es sind Gebrauchsfotos, die spontan entstehen konnten, schnell fertig waren und wenig kosteten.






Porträts im Passfotoformat mit dem Rückseitenaufdruck „Ukaphot – Gevaert“.
fix und fertig“

Die Technik hinter dem Schnellfoto
Hinter dem Namen Ukaphot stand ein fotografisches Verfahren mit einer speziellen Kamera. Während gewöhnliche Kameras auf Film belichteten und erst über ein Negativ zum Papierabzug führten, nahm die Ukaphot das Bild direkt auf Fotopapier auf.
Einen ersten Hinweis liefert die Westfälische Zeitung vom 29. November 1949:

Eine Werbung in einem Fachbuch verweist mit dem einprägsamen Schriftzug „Ukaphot“, den wir auch auf der Rückseite der Fotos finden, auf die Firma v. Rötel, Zeller & Co. in Lindau am Bodensee und beschreibt das Direktverfahren:


Ein Messebericht von 1952 und der Katalog der photokina 1956 beschreiben die Kamera so:
Unter der Bezeichnung „Ukaphot II“ stellte die Firma v. Rötel, Zeller & Co. OHG, Lindau/B., eine neue, zweiäugige Spiegelreflexkamera für Direktaufnahmen der Größe von 9×14 cm vor, mit der ohne Negativ seitenrichtig direkt auf ein von der Firma Gevaert, Antwerpen, geliefertes Umkehrpapier Paßbilder oder Aufnahmen in den Größen 5×7, 7×9 und 9×14 cm hergestellt werden. Diese Kamera mit dem gesamten Zubehör ist eine der bemerkenswertesten Neuerscheinungen der Messe, sofern man diesen Ausdruck auf ein Gerät anwenden darf, das sich schon im Laufe des letzten Jahres in großem Umfang bewähren konnte und auch für die Zwecke der Paßphotographie eingesetzt wurde.
Ein sogenannter Schnellphotoautomat, d.h. eine zweiäugige Spiegelreflexkamera mit Xenar 4,5/180mm und Parallaxenausgleich. Als Aufnahmematerial wird ein Spezial-Umkehrpapier in Rollen von 50 m Länge und 10 cm Breite geliefert. Das Grundformat ist 10x14 cm oder 7x10 cm. Innerhalb des Grundformates können alle beliebigen Formate eingestellt werden. Eine Kassette dient zum Auffangen der abgeschnittenen Bilder. Laborausrüstungen und Chemikalien zur Entwicklung des Umkehrpapiers sind ebenfalls lieferbar.
Das Ukaphot-System war kein Fotoautomat im Sinn einer selbsttätigen Kabine. Die Kamera wurde von Personal bedient. Nach der Aufnahme wurde das belichtete Fotopapier chemisch entwickelt. Das Bild sollte „in wenigen Minuten fix und fertig“ sein, wie der Werbeaufdruck auf der Fotohülle versprach. Der Kaufhof war dabei nur ein möglicher Ort für einen solchen Schnellfotodienst.
HistoricBits
Sichten. Sichern. Sichtbar machen.
HistoricBits widmet sich historischen Fotografien, die in privaten Alben, Sammlungen und Nachlässen erhalten geblieben sind. Das Projekt sucht, bewahrt, erschließt und veröffentlicht Bilder, die sonst verloren gehen oder vergessen werden könnten.
Im Mittelpunkt stehen oft übersehene Formen der Gebrauchsfotografie: kommerzielle Fotografie, Amateuraufnahmen, lokale Pressebilder, Atelierfotografie, Automatenbilder und Schnellfotografie.
Viele dieser Fotografien entstanden nicht als Kunst und nicht mit dem Anspruch, Geschichte zu dokumentieren – und sind heute dennoch wichtige historische Quellen.
Sie wurden gemacht, um Erinnerungen festzuhalten, Dienstleistungen anzubieten oder mit Fotografie ein Geschäft zu betreiben. Gerade diese unmittelbare Verbindung zum Alltag macht sie heute wertvoll.
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